Diesmal geht es um das Buch „Klassenbeste – Wie Herkunft unsere Gesellschaft spaltet“ von Marlen Hobrack.
Nicht nur die Literatur tut sich schwer mit der Erzählung von Arbeiterinnenleben, auch in feministischen Betrachtungen hat die Figur der Arbeiterin einen schweren Stand. Bei Marlen Hobrack ist das anders. Ihr Buch „Klassenbeste“ (Hanser Verlag Berlin, 2022, 224 Seiten) beruht großteils auf der Geschichte ihrer Mutter, die es nach neun Jahren Schule von der Fleischereifachverkäuferin bis zur verbeamteten Justizvollzugsangestellten brachte und am Ende ihres von Leistungswillen, Verzicht und Pragmatismus bestimmten Berufslebens in der Altersarmut landet. Und das Buch beruht auf den eigenen biografischen Erfahrungen der Autorin als einst alleinerziehende Ostdeutsche, die mit 19 Mutter wurde, und mittlerweile erfolgreiche Journalistin im Alter von Mitte 30.
Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen geht Marlen Hobrack in „Klassenbeste“ der Frage nach, wie Herkunft, Milieu, Klasse und der (zufällige) historische Hintergrund die Menschen an ihre soziale Klasse bindet. Sie nimmt sich die Mittelklasse-Mythen von Chancengleichheit und sozialem Aufstieg vor und kommt schließlich zu dem Schluss, dass sich in einer zunehmend diverseren Gesellschaft die Hemmnisse und Schranken noch verfestigen, solange die dafür ursächlichen Strukturen im Bildungswesen, in der Sozialgesetzgebung sowie auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt nicht überwunden sind.
Diskutiert wird das Buch im Lesekreis zu feministischer Literatur anhand von Textausschnitten, die während des Treffens vorgelesen werden. Alle Interessierten, unabhängig vom Geschlecht, sind dazu herzlich willkommen.