Zeit zu handeln!

Bienen, Schmetterlinge, duftende Blumenwiesen und blühende Bäume. Sie sind nicht nur schön anzusehen, Artenvielfalt und intakte Ökosysteme sind die Grundlage unseres Lebens und sorgen für sauberes Wasser, gesunde Ernährung und viele Rohstoffe, die wir zum Wirtschaften brauchen. Doch sie sind in aktuter Gefahr.

„Zeit zu handeln!“ Unter diesem Motto haben die Initiator*innen denn auch am Montag, 2. März, das geplante niedersächsische Volksbegehren „Artenvielfalt.Jetzt!“ vorgestellt.

Gefordert wird der Schutz der für die Artenvielfalt so wichtigen Strukturen in der Landschaft wie Hecken, Wegeränder und Feldraine. Naturschutzgebiete müssten von Pestiziden freihalten werden, Gewässerränder sollen nicht gedüngt und gespritzt werden, um auch dort die Artenvielfalt zu erhöhen und die Gewässer zu schützen. Dringend erforderlich seien deshalb ein besseres Naturschutzgesetz und Änderungen im Wasser- und Waldgesetz, erklärte Anne Kura, Landesvorsitzende der niedersächsischen GRÜNEN. „Die Landesregierung hat hierzu immer noch nichts Substanzielles vorgelegt.“ Unser Landesvorsitzender Hanso Janßen forderte einen Umbau der Agrarpolitik und deutliche Anreize für nachhaltiges Wirtschaften.

Das Volksbegehren ist eine Gemeinschaftsinitiative von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN mit dem Naturschutzbund NABU, dem Berufs- und Erwerbsimkerbund und rund 70 weiteren Gruppen und Verbänden. „Überall in Niedersachsen haben sich lokale Aktionsbündnisse gegründet, die das Volksbegehren unterstützen, und es schließen sich immer mehr Bündnispartner an“, freute sich Anne Kura auf der Pressekonferenz zur Vorstellung des geplanten Volksbegehrens in Hannover. Grund für das gemeinsame Engagement sind dramatisch einbrechenden Insektenbestände, die ganze Nahrungsketten betreffen.

„Das Artensterben ist eines der größten Probleme unserer Zeit“, erläuterte Dr. Holger Buschmann (NABU). „Jeder Singvogel braucht zumindest bei der Aufzucht der Jungen Insekten. Weil es die nicht mehr ausreichend gibt, gehen inzwischen sogar weit verbreitete Allerweltsarten wie die Stare massiv zurück.“ Vor allem bei den typischen Arten der Kulturlandschaft sehe es schlecht aus: Fledermäuse, Vögel, Blütenpflanzen – alle Artengruppen sind betroffen. Zwar gebe es auch Erfolge im Naturschutz, aber fast nur bei den Arten, die früher unter direkter Verfolgung gelitten haben wie Uhu oder Biber.

Imker Klaus Ahrens verwies auf die Situation der Bienenvölker. Sie seien in akuter Gefahr. „Blütenpollen, die nicht nur für Honigbienen, sondern auch für Wildbienen und Hummeln lebensnotwendig sind – als Futter für ihre Brut – sind immer häufiger regelrechte Chemie-Coktails.“ Das hätten zahlreiche Untersuchungen belegt. „Bei den meisten Arten ist der Verlust ihres Lebensraumes das Problem“, ergänzte Buschmann. Das sei dramatisch und habe fatale Auswirkungen auf ganze Ökosysteme. „Ohne Bienenvölker funktioniert weder die Landwirtschaft noch der Obstanbau“, warnte auch Ahrens. „Trotzdem äußern sich Politik und Landwirtschaft, als wäre alles noch verhandelbar. Aber die Natur verhandelt nicht. Deshalb brauchen wir das Volksbegehren.“

Im Zuge der Vorbereitungen des Volksbegehrens hat sich auch ein Bündnis von Jugendverbänden gegründet, das die Kampagne unterstützt und eigenständig für sie mobilisiert. Mit dabei sind die BUND-Jugend, der Jugendbund für Naturbeobachtung, FridaysforFuture, die GRÜNE JUGEND, Junges Bioland, Linksjugend [’solid], Naturfreundejugend und die Naturschutzbund-Jugend NAJU.

Die derzeitige Agrarpolitik ignoriere den Wert von Natur, kritisierte Magdalena Schumacher für das Jugendbündnis. „Dies trägt erheblich zu einem globalen Artensterben ungeheuren Ausmaßes bei. Wir fordern ein Gesetz für Niedersachsen, das biologische Vielfalt wirksam schützt, Ökosysteme für nachfolgende Generationen erhält und nachhaltige Landwirtschaft fördert.“ Konsequenter Natur- und Artenschutz sei zugleich ein entscheidender Beitrag zum Klimaschutz, sagte Magdalena Schumacher weiter und warnte: „There is no future on a dead planet.“

Konsequenter Natur- und Artenschutz verbunden mit einer nachhaltigen Landwirtschaft trägt aber nicht nur dazu bei, den nachfolgenden Generationen den ganzen natürlichen Reichtum an Pflanzen und Tieren, an Schmetterlingen, Libellen und Wildbienen, an Fröschen, Fischen und Vögeln zu hinterlassen. „Für die damit verbundenen Ertragseinbußen der Landwirte sind gesetzliche Ausgleichszahlungen vorgesehen“, versicherte Hanso Janßen.

Hintergrund:

Etwa die Hälfte der rund 11.000 Tier- und Pflanzenarten in Niedersachsen sind bedroht. Fast zwei Drittel der Wildbienenarten stehen auf der Roten Liste. Inzwischen nehmen selbst Allerweltsarten wie der Star in ihren Beständen ab, weil ihnen einfach die Lebensgrundlage fehlt.

Das Artensterben hat nach Einschätzung der GRÜNEN viele Gründe. Klar ist, so die GRÜNE Landtagsabgeordneten Susanne Menge, dass die intensive Nutzung der Landschaft mit hohem Dünger- und Pestizideinsatz sowie die Verinselung der Lebensräume zu den wesentlichen Ursachen gehören.

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