Der Klimawandel in Oldenburg – Was wissen wir?

„Klimawandel“, „Erderwärmung“ – für viele Menschen sind das abstrakte Begriffe, mit denen sie im Alltag wenig anfangen können. Aber das Klima ändert sich nicht nur in weit entfernten Ländern, sondern auch hier, lokal, in Oldenburg. Die meisten von uns nehmen das schon wahr – die Winter werden milder, die Sommer heißer. Wir müssen uns aber nicht auf subjektive Eindrücke verlassen, da eine Vielzahl von wissenschaftlich ermittelten Daten der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Eines davon ist der ERA5-Datensatz, der durch Reanalyse von historischen Wetterdaten Werte für Temperatur, Niederschlag, Windgeschwindigkeit u.v.w. für jeden Ort der Welt zur Verfügung stellt, und so den Klimawandel sowohl global als auch lokal eindrucksvoll darstellt.

Wir haben in unseren Nachforschungen die Jahresdurchschnittstemperatur für Oldenburg ausgewählt und sie dargestellt:

Klimazukunft: Jahresdurchschnittstemperatur

Wie hier klar zu sehen ist, sind die Temperaturen in Oldenburg in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen.

Die Auswirkungen – Was bedeutet das für Oldenburg?

Die zunehmende Hitze im Sommer bedeutet eine größere Belastung für die Gesundheit. Sie belastet das Herz-Kreislaufsystem und ist eine ernstzunehmende Bedrohung für Senioren sowie Säuglinge und Kleinkinder. Durch Tropennächte – Nächte, in denen die Temperaturen nicht unter 20 °C sinken – kann sich der Körper auch nur unzureichend von der Hitze des Tages erholen.

Durch die größere Hitze und stärker auftretenden Starkregenereignisse können sich schädliche Insekten wie Mücken und Zecken stärker ausbreiten. Diese sind nicht nur lästig, sondern könnten in Zukunft auch gefährliche Krankheiten verbreiten, welche bis jetzt nur in südlichen Breitengraden auftreten.

Durch die Hitze entsteht die Gefahr der Trockenheit, und dadurch ein erhöhter Wasserbedarf für Mensch, Tier, und Pflanzen. Oldenburg steht hier im Vergleich zu vielen anderen Landesteilen noch ziemlich gut dar, und es gibt keine Schreckensbilder wie die von dem beinahe ausgetrockneten Rhein. Dennoch können solche Entwicklungen auch hier nicht ausgeschlossen werden, und wir müssen sowohl mit niedrigerem Grundwasser- als auch Oberflächenwasservorkommen rechnen.

Jenseits der bloßen Zahlen und Fakten sorgen diese Veränderungen auch für ein schlechteres Stadtklima. Oldenburg sollte rund ums Jahr lebenswert sein – aber in der heißesten Zeit des Jahres gibt es immer weniger Rückzugsorte vor der nur schwer erträglichen Hitze.

Vielen von uns ist das drastische Hochwasser kurz vor Weihnachten 2023 noch lebhaft in Erinnerung. Auch dies ist eine Situation, auf die sich die Stadt einstellen muss. Die interaktive Karte der AG Stadtplanung, Mobilität und Wohnen visualisiert (im Abschnitt „Umwelt und Natur“) Überschwemmungsgebiete, Überflutungsgebiete, sowie gemessene Starkregenereignisse im Stadtgebiet.

Klimazukunft: Hochwasserkarte

Maßnahmen – was können wir tun?

Im Kampf gegen den Klimawandel bedarf es entschiedener Handlungen nicht nur auf globaler, sondern auch lokaler Ebene. Es bedarf ebenso nicht nur individueller, sondern auch struktureller und institutioneller Veränderungen. In der letzten Ratsperiode wurde für die Stadt Oldenburg ein Klimaschutzplan auf den Weg gebracht. Mithilfe der darin enthaltenen Maßnahmen zu den Handlungsfeldern Wärme, Strom, Mobilität, Wirtschaft, Landwirtschaft & Landnutzung, Ernährung & Konsum und Stadtverwaltung soll unsere Stadt bis 2035 klimaneutral werden.

Im digitalen Klimaportal können Bürger:innen die Fortschritte jeder einzelnen Maßnahme verfolgen. Auch in der neuen Ratsperiode wird sich die Fraktion der Grünen dafür einsetzen, dass diese vorangetrieben werden. So sind im Grünen Wahlprogramm für die Kommunalwahl 2026 etwa folgende Forderungen festgehalten:

  • Konsequente Umsetzung des Masterplans Stadtgrün. Z.B. durch Bereitstellung finanzieller Mittel, um Straßenbäume zu revitalisieren, soweit dies noch vertretbar und ökologisch sinnvoll ist.
  • Bei Bau- und Verkehrsplanungen sollen Baumfällungen sowie umfangreiche Eingriffe in Natur- und Grünflächen in einem früheren Planungsschritt durch die Verwaltung im Umweltausschuss beachtet werden, als es gegenwärtig der Fall ist. Zurzeit geht dies im Beratungsprozess unter oder wird zu spät diskutiert. Nur durch eine frühzeitige Betrachtung kann auf die Planung im Sinne des Naturschutzes Einfluss genommen werden.
  • Wir wollen die Energiewende in Oldenburg weiter vorantreiben und Bürger*innen daran teilhaben lassen. Mit dem Ziel der Klimaneutralität Oldenburg 2035 wollen wir alle städtischen Gebäude mit Photovoltaik, Speichern, Ladestationen und Wärmepumpen ausgerüstet haben. Wo dies nicht möglich ist, sind Gründächer zu prüfen, um so ein weiteres Aufheizen von Quartieren zu vermeiden. Dabei achten wir auf die Belange des Naturschutzes. Photovoltaik-Anlagen sehen wir primär auf Dächern und anderen bereits versiegelten Flächen, um Flächenneuinanspruchnahme zu vermeiden.
  • Kommunale Wärmeplanung: Wir setzen uns dafür ein, dass
    • der erarbeitete Wärmeplan umgesetzt und der eingeschlagene Weg konsequent weiterverfolgt wird;
    • die Stadt sich für eine nachhaltige und sozial gerechte Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung einsetzt, die für die Bürger*innen Planungssicherheit schafft und transparent über Kosten, Fördermöglichkeiten und Optionen informiert. Dabei soll die Stadt insbesondere auch das Wohl von Mieter*innen in den Blick nehmen und sich für eine langfristig bezahlbare Wärmeversorgung einsetzen
    • die Stadt in der kommunalen Wärmeplanung auch Maßnahmen zur Reduktion des Energieverbrauchs sowie innovative Energie-Sharing-Konzepte berücksichtigt und hierbei eine koordinierende Rolle übernimmt.
  • Oldenburg soll zu einer Schwammstadt entwickelt werden, die große Wassermengen bei Niederschlägen aufnehmen, speichern oder verzögert ableiten kann und dieses Wasser in Hitzeperioden gezielt wieder abgibt. Dazu gehören durchlässige Oberflächen (Entsiegelung), Regenwasserbewirtschaftung und -rückhaltung, Grün-Infrastruktur und Blau-Infrastruktur (Gewässer), Dach- und Fassadenbegrünung, Wasserspeicherung (z.B. in Zisternen), mittelfristig Trennung von Mischwasserkanälen, veränderte Stadtplanung usw. Wir streben die Erreichung und Umsetzung eines Klimaanpassungskonzepts inklusive der zuvor beschriebenen Maßnahmen für die Stadt Oldenburg an.
  • Natur als Mitgestalter: Inspiriert von sogenannten „Interspecies Councils“ wollen wir Räume schaffen, in denen diese Perspektiven aktiv eingenommen werden. In solchen Formaten versetzen sich Menschen bewusst in die Rolle von Tieren, Pflanzen oder ganzen Ökosystemen und geben deren Interessen eine Stimme. Dadurch wird erfahrbar, wie sich politische Entscheidungen jenseits menschlicher Nutzenlogik auswirken, und es entsteht ein erweitertes Verständnis von Verantwortung. So geben wir der Natur in unseren Entscheidungen eine hörbare Stimme.

Zu unserem Wahlprogramm (Kapitel 1 Klimaschutz und Klimaanpassung S. 7f.):

Zum Klimaportal mit weiteren Informationen zum Klimaschutzplan 2035: